Wie wird sich eigentlich der Musikkonsum bis zum Jahr 2015 entwickeln? Und wie werden die Geschäftsmodelle aussehen, die es den Künstlern weiterhin ermöglichen werden, von ihrer Musik zu leben? Was passiert mit den Plattenlabeln?
Gerd Leonhard macht sich hierzu zukunftsweisende Gedanken in seinem Blog und hat diese zudem gemeinsam mit David Kusek als Buch sowie als Podcast veröffentlicht. Der Podcast scheint das Buch als Audiobuch zu sein. Es ist sehr deutlich vorgelesen und auch für den nicht Native-Speaker gut zu verstehen.
Leonhard plädiert für eine Art umfassendes Lizenzrecht für Zugang zu Mediacontent, das der Nutzer wie eine GEZ-Gebühr pauschal zahlt und worüber er dann frei jegliche Mediainhalte aus dem Netz nutzen kann. Alternativ ist eine Kombination auch mit Werbung denkbar – aber so seine Warnung:
Medienanbieter dürfen nicht lediglich die heimlichen überbringer von Werbung sein und sich ignorant an ihren Werbemittelgebern orientieren, wie dies bei vielen Privatsendern der Fall ist. Vielmehr muss der Weg zurück zum Kunden gefunden werden – und das bedeutet eine möglichst zielgruppenspezifische, individuelle Programmgestaltung. Und diese ist über personalisierte Empfehlungen, Clustersysteme wie Pandora etc. kein technisches Problem mehr.
Das Hauptproblem dabei ist der noch nicht vollzogene Paradigmenwechsel, den die Musikindustrie um alles in der Welt scheut: “Weg vom Verkauf von einzelnen Stücken (Evianflaschen) hin zu einem Leitungswasserprinzip” (Zitat Leonhard).
Damit würde natürlich die Platten-Verkaufs-Industrie fast zusammenbrechen, allerdings würden die Einnahmen aus Merchandising, Konzerten etc. nach seiner Prognose zunehmen und diese Einbußen wettmachen. Eventuell würde aber sogar durch die Mediapauschale mehr Geld für die Musikindustrie zusammen kommen, als jemals über Plattenverkäufe verdient wurde.
Damit einher ginge dann als wichtiger Aspekt eine Bereinigung des momentanen kaputten Rechtssystems. Ein System das jetzt auch in Deutschland Jugendliche in den Knast bringen kann und harmlose Musikliebhaber zu Straftätern macht. Hier haben die deutschen Gesetzgeber grundlegendes noch nicht kapiert:
Die Zukunft gehört nicht dem Besitz von Musik sondern dem Zugang zu ihr.
So wie zu Leitungswasser eben.
PS: Noch eine Anmerkung zur von Leonard verwendeten Wasser-Metapher. Sie ist für mich nicht immer so ganz stimmig, weil man ja schließlich auch pro Kubikmeter zahlt und es sich zum Glück (!) nicht um eine billige Flatrate handelt. Aber vielleicht steckt in dieser Unstimmigkeit ja auch ein Hinweis für zukünftige Modelle.

Ein Kommentar
Hier gehts zum “Flat-Fee-Music-Like-Water-Manifest” von Leonhard:
http://www.gerdleonhard.net/2006/01/flat_fee_music_.html