„Das erste Mal in
meinem Leben habe ich für etwas wirklich Wichtiges Verantwortung.“
Daniel Preuss hatte auch mal mit seinem Bruder eine Tauchbasis auf Sansibar, die dann allerdings an der örtlichen Korruption gescheitert ist. Er war auch längere Zeit Interimsmanger in der IT-Branche und arbeitet jetzt als Berater für ein erfolgreiches Konkurrenzprodukt zu SAP.
Doch ansonsten hat er sich entschieden etwas anderes zu machen, etwas sinnvolles, spannendes und herausforderndes – er gründete ein Kinderheim in Tansania – für Aidswaise.
Wie es dazu kam?
1999, Daniel ist mal wieder in Tansania im Urlaub; ein deutscher Bauunternehmer hat ihn zu einer Gartenparty in sein Haus in der Nähe
von Dar-es-Salaam eingeladen. Er nippt an seinem Cocktail. Eine einheimische Frau spricht Preuss an. Consulata Lifa, die als Sozialarbeiterin in einem Hilfsprojekt für Aids-Kranke arbeitet, kann gut Deutsch. Sie reden über die andere Seite Tansanias: die Armut, das Elend, vor allem der Kinder. Ob Preuß nicht etwas für das Land tun wolle? Es gebe so viele Waisen, um die sich niemand kümmere. Wie wäre es, ein Haus für ein paar von ihnen
einzurichten? Dieser Vorschlag ist nicht ganz uneigennützig, denn auch die Akademikerin Consulata Lifa lebt wie viele ihrer Altersgenossinnen mit Mitte 20 noch bei ihren Eltern und möchte als Betreuerin gleich mit in das Kinderhaus ziehen.
Preuß denkt eine Nacht über den Vorschlag nach und sagt dann zu: „Ich hatte ein gutes Bauchgefühl.“ (vgl. brand eins, Ausgabe 10/01)
Aus der Idee wurde Realität: heute gibt es 23 Kinder, die in Dar-es-Salaam in drei Häusern leben, die über Spendengelder finanziert, von Daniel gemietet werden. Die Kinder stammen aus Verhältnissen, die sich hier zu Lande kaum jemand vorstellen mag. Ihre Eltern sind entweder bereits an Aids gestorben, oder die nicht mehr in der Lage, sich um sie zu kümmern.Betreut werden sie von fest angestellten Pflegemüttern – genannt Mother – die mit ca. 150 Dollar Monatsgehalt etwa so viel verdienen wie eine tansanische Lehrerin.

Daniel brauchte hierzu natürlich Geld:
Er hat in Deutschland den Verein Streetkids e.V. gegründet um die Spendengelder für das Projekt zu sammeln und die Heime in einer guten Struktur leiten zu können.
Mittlerweile gibt es viele freiwillige Unterstützer, die sich an seiner Idee mit Spendengeldern beteiligen. So zum Beispiel Soulhood, ein Kreativ-Label, das durch verschiedene Aktionen wie z.B. das vertreiben einer eigenen T-Shirt-Kollektion oder das spendenbasierte Anbieten von Weihnachtsliedern regelmäßig Geld sammelt. Oder der Kölner Unternehmensberater Markus Brand (www.b2consulting.de) der einen privaten Spenderkreis ins Leben rief, dem es gelingt, jährlich 10.000 Euro zu sammeln. Das hat dann dazu gereicht, ein komplettes Kinderheim im Vorort Mbagala zu gründen.
Daniels Job als IT-Berater ist nach wie vor seine Verdienstquelle, er selber erhält selbstverständlich keine Gelder des Vereins. Mittlerweile steckten einige zigtausend Euro an eigenem Geld in dem Projekt.
Warum macht der das?
Daniel zeigt einen Videofilm, den er bei einem seiner häufigen Besuche in Tansania gedreht hat. Er kam unangemeldet, „weil es ganz gut ist, wenn Afrikaner merken, dass jemand sie kontrolliert“.
Auf dem Bildschirm ist das Haus zu sehen; die Mother und die Kinder. Sie packen Geschenke aus, lachen, probieren Klamotten an; man sieht einen Jungen beim Ballspielen; die ganze Familie beim Kochen und Essen, beim Toben am Strand. Fünf Kinder, die jeden Tag in die Schule gehen, satt werden und jemanden
haben, der sie in den Arm nimmt; all das ist nicht selbstverständlich in Dar-es-Salaam (vgl. brand eins, 10/01).
Und auch Daniels Partnerin trägt sein Engagement mit. Sie reflektiert über ihren Job in der Werbung: „Man rennt von einem Meeting ins nächste, wo wichtige Leute über wichtige Dinge reden – die so gar nichts mit dem richtigen Leben zu tun haben.“ Gerade in der Werbung würden Banalitäten hochgepusht – „irgendwann
stellt sich da die Sinnfrage“.
Und wenn man sich diese Frage einmal ernsthaft stellt, sucht so macher nach einer Antwort – und die haben beide in Tansania gefunden.
Warum nicht einfach an eine größere Organisation spenden und gut ist?
Die Vorzüge der Kinderhaus-Idee gegenüber vielen anderen Projekten liegt auf der Hand: einfach, überschaubar und effektiv, ohne großen „Overhead“ wie bei anderen Hilfsorganisationen, die Teilweise aufgrund der hohen Komplexität der Organisationen selbst katastrophale Projektergebnisse erzielen.
Bei Streetkids kostet die Versorgung von acht Kindern nicht mehr als rund 10.000 Euro pro Jahr, inklusive Miete, Verpflegung, ärztlicher Versorgung, Schulgeld und Lohn für die einheimischen
Betreuer.
Das finden auch Spender aus der Wirtschaft attraktiv: Geld da Spenden wo es effektiv verwendet wird.
Bereits einige Unternehmen spenden regelmäßig für die Kinderheime. So z.B. eine große Versicherung, bei der Mitarbeiter eingeladen sind, auf die Cent-Beträge ihres Monatsnettoeinkommens zu verzichten um diese dann zu Spenden. Da kommen schnell einige tausend Euro zusammen. Niemanden schmerzt es, die Mitarbeiter haben ein gutes Gefühl und das Unternehmen einen Imagegewinn durch das soziale Engagement.

Daniel mit Besuchern und Unterstützern vor dem Kinderheim Mbagala
Doch mit den Kinderheimen ist es allein noch nicht getan:
Daniel eröffnete vor wenigen Monaten eine so genannte “Sunday Clinic”, die regelmäßig ihre Pforten für die Kranken von Dar es Salaam öffnet, die sich keinen Arzt leisten können. Und er plant grade ein Ausbildungszentrum, in dem die Jugendlichen aus den Waisenhäusern ein Handwerk lernen können. Das gibt es nämlich in dieser Form in Tansania nicht – und das Ziel ist es letztendlich die Kinder bis zu absoluten Selbständigkeit zu führen.
übrigens sollen die Jugendlichen wenn sie dann selbst Geld verdienen einen Teil ihrer Ausbildungskosten wieder zurückzahlen: So entsteht Verantwortungsgefühl und die Gefahr in eine Schmarotzerhaltung zu sinken, bleibt gering. Die Jugenlichen sollen lernen, dass auch für sie das Motto: von nichts kommt nicht gilt. Dies wird bei vielen Hilfsprojekten oft vergessen.
übrigens: Streetkids sucht grade einen deutschen Handwerker…
der Interesse hat diese Ausbildungsstätte aufzubauen. Der Zeitraum beläuft sich auf mindestens drei Monate vor Ort. Inhalte sind das Einrichten der Werkstatt, beschaffen von Maschinen, Entwicklung eines Curriculums.
Also nochmal für Google;-)
Suchen:
Handwerker, gerne Meister aus dem Bereich Holz oder Metall
Aufgaben:
Aufbau und Einrichtung einer Lehrwerkstatt für Waisenkinder in Dar es Salaam, Tansania. Entwicklung eines Curriculums.
Voraussetzung:
Erfahrung im Umgang mit Menschen, Interesse an anderen Kulturen, Hartnäckigkeit. Englischkenntnisse.
Kontakt:
streetkidsinternational.org
eMail: streetkids@web.de
Daniel Preuss
Viel Spass und Erfolg beim Bewerben!
Und noch was:
Wenn ihr interessiert seid, das wunderschöne Land Tansania mit Kilimandscharo, Sansibar, Serengeti und vielen weiteren Höhepunkten auf einer Reise kennen zu lernen… Es ist spannend und inspirierend sich auch die Waisenhäuser anzuschauen- you are welcome!
Und um nochmal auf das Thema Verantwortung zurück zu kommen: jeder der etwas abgeben kann sollte das auch tun. Durch eigene Arbeit, Spenden oder auch nur Weitersagen. Denn das ist Verantwortung.
Quelle:
Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Gesprächen mit Daniel Preuss in Tansania 01/2005, einem Interview mit Markus Brand 12/2005 und dem Artikel “Der Missionar” aus der Zeitschrift brand eins, 10/01 von Jens Bergmann


Ein Kommentar
Ein toller und interessanter Beitrag. Es sollte mehr dieser Projekte geben, da man so weiß, wo das Geld hingelangt und sich evtl. sogar vor Ort die Umsetzung anschauen kann. Meine Hochachtung gilt auch dem Initiator dieses Projektes. Ich finde dieses Projet super und werde mir sicherlich noch mehr Informationen darüber einholen. Fr
Besten Dank auch an den Verfasser dieses Beitrages.
Gruß von xxxlea